Irgendwann, zu Beginn dieses Jahrtausends, entschloss ich mich dazu, ein erstes Projekt in den Weiten des Internets zu starten. Ich taufte dieses Projekt „The Hobbitground„.

Es handelte sich dabei um eine Tolkien-Community in Form eines Forums samt grafisch aufbereitetem, virtuellen Hobbitdorf. In den ewigen Archiven des Netzes bin ich dabei kürzlich auf das alte, prall gefüllte Forum, sowie einen Rückblick gestoßen, den ich im Jahre 2006 zum Jubiläum der Webseite verfasst habe.

Für all jene, die sich aus irgendwelchen Gründen noch an dieses -für mich sehr prägende- Abenteuer erinnern oder gern in den Erinnerungen Anderer stöbern, präsentiere ich hier die Geschichte des HobbitGround. Eine sehr persönliche Geschichte.

Eine Geschichte des Scheiterns.


History

Ein Rückblick über die Vergangenheit der Tolkien Community „The HobbitGround“ aus dem Jahre 2006



 

Hin und wieder zurück…

Nun, da der HobbitGround demnächst sein sechsjähriges Bestehen feiert, ist es mal wieder an der Zeit, in die Vergangenheit zu blicken. Aus diesem Anlass habe ich ein kleines Making Of erstellt, dass aber auch auf andere Aspekte als den reinen Bau der Seite eingeht. Einiges mag zwar wie Gefühlsduselei wirken, aber ich denke bei unserer vertrauten Gemeinschaft ist so etwas nicht fehl am Platze.

Einige Texte wurden aus dem ursprünglichen ‚Making of‘ (Weihnachten 2002) übernommen und durch neue Einträge ergänzt.

Der Anfang

Alles begann im Jahre 2000 und seinem gemäßigten Winter. Nach langer Zeit schaute ich mal wieder in mein Bücherregal und erblickte da ein Büchlein, welches ich schon sehr lange nicht mehr gelesen hatte. „Der Hobbit“ von J.R.R. Tolkien war sein Titel. Ich erinnerte mich, das Buch vor langer Zeit gelesen zu haben, der Inhalt aber war beinahe vollständig in Vergessenheit geraten.

Ich entschied mich dazu, den „Hobbit“ erneut zu lesen und von einer Seite auf die Nächste hatte mich der Zauber Tolkiens gefangen genommen. Doch anders als damals, war da ein ganz bestimmtes, tolles Gefühl. Als das Abenteuer Bilbos nach einigen gemütlichen Leseabenden vorbei war, wünschte ich mir mehr. Mehr von Mittelerde und seinen entzückenden Bewohnern. Ich wusste von Tolkiens Werk „Der Herr der Ringe“, hatte mich aber bisher nicht an dieses Buch getraut. Ich erwartete trockene High-Fantasy-Texthaufen, gespickt mit unverständlichen Wörtern und einer müden Story…

Einige Wochen und über tausend Seiten später wusste ich, dass ich mit meiner Vermutung  nicht falscher hätte liegen können. „Der Herr der Ringe“ war so faszinierend, so packend. Das beste Buch, welches ich bis zu diesem Zeitpunkt gelesen hatte (und bis zum heutigen natürlich auch) und ein Buch, dass mich förmlich in die Welt von „Mittelerde“ hineingesaugt hatte. Fortan verschlang ich alles, was mit Tolkien zu tun hatte.

Auf meiner Reise nach Informationen über den „Herrn der Ringe“ stieß ich im Internet irgendwann auf die „Herr der Ringe“ Filmseite von Cirdan (Stefan Servos), der damals noch sehr jungen und mittlerweile bekanntesten „Herr der Ringe“ Website in Deutschland. Ich wusste bis zu diesem Zeitpunkt noch nichts von einer baldigen Verfilmung und von der großen Community, die sich bereits damals diesem Projekt widmete.

Ich war nun auch einer von ihnen und da ich in meiner Freizeit selbst gerne Webseiten basteltet, nahm ich mir vor, eine Tolkien-relevante Website zu basteln. Nach einer Woche Bastelei stand die Urversion des HobbitGrounds im Netz und war eine von vielen nutzlosen Seiten. Das Konzept war im Grunde genommen gar keins. Eine hübsche Flash Animation am Anfang lockte den Besucher auf ein Sammelsurium von Downloads, Geschichtchen und allerlei anderem Krams. Nichts, was es nicht schon in vielfacher Form und besser präsentiert auf anderen Websites gab.

Spätestens der Blick auf den Besucherzähler nach einigen Wochen brachte die ernüchternde Erkenntnis, dass das Konzept trotz ausreichender Werbung wohl etwas uninteressant war.

Einige Tage später fuhr ich mit dem Rad in ein angrenzendes Dorf, um dort ein wenig einzukaufen. Auf dem Heimweg kam mir plötzlich die Idee…

Ich dachte mir, es wäre doch toll, wenn es für Tolkien Fans eine Art Dorf im Internet gäbe, in dem jeder einziehen könnte und eine eigene Hobbithöhle bewohnen würde. Eine Visualisierung der Tolkien – Community.
Diese Idee lies mich nicht mehr los und als ich zuhause ankam, setzte ich mich sofort an die Arbeit. Nach einigen Tagen war das Konzept fertig und die erste „richtige“ Version des HobbitGrounds online. Mit meiner neuen Idee ging ich in den einschlägigen Foren der Community hausieren und wartete ab. Und obwohl die Hobbithöhlen des Dorfes damals wirklich noch schrecklich aussahen, zählte der HobbitGround bereits nach einigen Tagen seine ersten Bewohner. Einige von ihnen sind heute noch aktive Mitglieder unserer Gemeinschaft.

Schnell musste etwas her, damit sich die Bewohner miteinander unterhalten konnten. So gab es nach einigen weiteren Tagen bereits das heute noch bestehende Forum samt integriertem Chat.

„Die Straße gleitet fort und fort…“

In den folgenden Wochen und Monaten ging es mit dem HobbitGround steil bergauf. Immer mehr Einwohner zogen in das bis dahin noch namenlose Dorf (später wurde der Name „Brunnenau“ von den Einwohnern beschlossen) ein. Natürlich kam dieser Erfolg nicht ganz von alleine. Einige große Websites unterstützten mich damals und sorgten dafür, dass Brunnenau noch bekannter in Fan-Kreisen wurde.
Sehr hilfreich beim Aufstieg des HobbitGrounds war etwa die Deutsche Tolkien Gesellschaft, die mich zunächst nur deswegen anschrieb, weil ich einige Grafiken von Ihrer Seite geklaut hatte…:). Als sie sich jedoch näher mit dem HobbitGround befasste, hatte Marcel Buelles (der Webmaster der DTG) einen Bericht über meine Seite verfasst und auf der Titelseite der DTG veröffentlicht. Auch die Unterstützung durch Cirdan (http://www.herr-der-ringe-film.de) brachte dem HobbitGround weitere Bekanntheit ein.

Nun wurde das Design zum ersten Mal grundlegend verändert. Auch die Hobbithöhlen wurden grundlegend renoviert und durch animierte GIFs ersetzt

Das Anlaufen der „Gefährten“ im Kino und ein Bericht im Berliner Tagesspiegel über die Verfilmung von Tolkiens Werk brachte Brunnenau endgültig in den siebten Himmel 🙂 . Unter den wichtigsten Websites zum Thema Tolkien wurde auch der HobbitGround erwähnt. In nur wenigen Wochen hatte ich aus einem kleinen Zweiseitenprojektchen eine der wichtigsten Tolkien – Websites gemacht. Ich? Nein. Ich habe nur den kleinsten Teil dazu beigetragen…

Der größte Verdienst geht an die zahlreichen Dorfbewohner, die dem Dorf ein Eigenleben einhauchten. Schnell entwickelte sich eine Art Rollenspiel unter den Bewohnern, Bürgermeister-Wahlen wurden veranstaltet und Dorfverordnungen beschlossen. Der HobbitGround war für einige scheinbar zu einer zweiten Heimat geworden.

Für mich sollte es bald die einzige Heimat sein.

Nach dem Hochmut kommt der Fall

Um dieses „Wir“ – Gefühl noch intensiver zu machen, dachte ich darüber nach, wie man das Leben im HobbitGround noch lebenswerter machen konnte. Irgendwann hatte ich dann eine Vision. Eine Vision, die leider bis heute nicht wahr wurde: Brunnenau als Online – Rollenspiel. Mein großes Vorbild war dabei Ultima Online. Und ein sehr hochgestecktes Ziel zugleich. Leider krankte der Versuch an meinen eigenen, sehr beschränkten Programmierkenntnissen und an einer mangelnden Beteilligung Anderer an diesem Projekt.

Mein Traum war geplatzt. Also musste ich mir eine Alternative überlegen. Die bestand darin, ein Regelwerk für ein offenes Forum – Rollenspiel zu schaffen. Dieses sollte ähnlich wie ein so genannte „Pen & Paper“ Rollenspiele gespielt werden (z.B. Dungeons&Dragons, Das Schwarze Auge, Vampire etc.). Als Grundlage für dieses Regelwerk nahm ich jenes der 3. Edition des Schwarzen Auges. Ich grübelte Woche für Woche über eine artgerechte Umsetzung nach und langsam nahm das HobbitGround Rollenspiel Gestalt an.

Als dieses fertig war, zeigte sich jedoch, dass ich mit meinem Traum vom richtigen Rollenspiel wohl etwas zu weit gegangen bin. Die Brunnenauer wollten keine Regeln und Zahlenwerte lernen, sondern einfach nur „frei nach Schnauze“ in ihrem geliebten Dorf leben. Um zwei Enttäuschungen reicher, fragte ich mich, wohin mich der HobbitGround noch führen wollte.

Nach dem ersten Strumpeln ereignete sich bald darauf ein Höhepunkt: Das erste HobbitGround Treffen 2001 in Soltau war wirklich ein unvergessliches Erlebnis. Ich konnte immer noch nicht fassen, dass mein kleines, technologisches Schreckgespenst realen Menschen reale Freude bereitete. Das Treffen in Soltau wahr wohl der menschlichste Meilenstein für mich in der Geschichte des HobbitGrounds. Und auch wohl der traurigste. Die Wissenden werden es verstehen. Wenn man Menschen mit der Basis des HobbitGrounds zusammenführen kann, so kann man sie auch einander hassen lehren – wie mit jeder gesellschaftlichen Institution. Ich habe viele Dinge, die damals zwischenmenschlich passiert sind, sehr persönlich genommen und mir die Schuld für unglückliche Dinge, die in der Community des HobbitGrounds passierten, gegeben. Hätte ich ihnen nur niemals diese Stätte des Zusammenseins geboten…

Dies war die erste Erkenntnis darüber, wie weitreichend ein Projekt wie der HobbitGround in die Leben und Beziehungen anderer Menschen eingreifen kann. Dies war ebenfalls: Der Anfang des Untergangs Brunnenaus

Der Hype um den ersten Teil der „Herr der Ringe“ – Filmtrilogie war vorbei und das Interesse legte sich wieder etwas. Das zeigte sich auch in Brunnenau deutlich. Das Dorf wurde ruhiger. Es bildete sich eine „Kerngruppe“. Bewohner Brunnenaus, die ihrem Dorf nicht den Rücken zukehrten und ihm auch in ruhigeren, langweiligeren Zeiten treu blieben. Untereinander hatte man viel Spaß. Es gab Rätselwettbewerbe und viele kleinere, private Treffen.

Natürlich suchte ich als Schöpfer des HobbitGrounds immer nach neuen Ideen und Inhalten für die Seite. Da das Thema „Herr der Ringe“ nach dem ersten Kinofilm monatelang nichts Neues hergab, was nicht auch schon auf zig News-Seiten durchgekaut wurde (und der HobbitGround war nie eine News – Seite), erweiterte ich das inhaltliche Spektrum der Seite. Das ging soweit, dass das eigentliche Herz der Seite –Brunnenau– beinahe verschwand. Das damals neue Online – Rollenspiel „Dark Age Of Camelot“ verdrängte inhaltlich fast alles andere auf der Seite. Natürlich stellte sich dieser eingeschlagene Weg nach einer Weile als Fehler heraus, so dass ich bald wieder zum ursprünglichen Konzept zurückkehrte.

Der drohende Tod Brunnenaus

Die Arbeit am HobbitGround war immer sehr zeitintensiv. Meine Abiturprüfungen rückten näher und ich fühlte mich seinerzeit von der Arbeit am HobbitGround und meinem Privatleben derart gebeutelt, dass ich gar keine „Lust“ mehr hatte, mir auch noch den Schulstress anzutun.

Es war irgendwie alles zu viel.

Ich lernte und lernte trotzdem. Doch es brachte alles nichts. Mein Kopf war voller Hobbits, Elben und Zwerge. Da war kein Platz mehr für Mathe, Physik und Technik. Ich musste abschalten. Abschalten vom HobbitGround. Ich war hin- und hergerissen. Ich wusste nicht, was ich tun sollte. Auf der einen Seite war dieses süchtigmachende, aber strapazierende Hobby, auf der anderen Seite das anstrengende Lernen. Eine unlösbare Gleichung.

Letztendlich zog ich die bittere Konsequenz und schloss den HobbitGround. Er blieb weiterhin online, aber ohne jegliche Veränderung. Es tat weh, mein Kind aufzugeben, es dem sicheren Tod zu überlassen.
Doch komischerweise starb dieses Kind nicht. Auch ohne Neuigkeiten meinerseits hörte das Dorf nicht auf, zu existieren. Immer noch spielte sich das gleiche Leben im Dorf ab wie zuvor. Der HobbitGround war erwachsen geworden…

Das Dritte Zeitalter

Mir blieb nicht viel Zeit, schon hatte der Staat mich für den Dienst in der Bundeswehr eingezogen (den ich jetzt noch leiste…). Der HobbitGround war schon wieder von mir ins Leben zurückgeholt worden und bekam das bis dahin fürchterlichste Design. Viele werden sich noch an dieses starre, viel zu kleine Fenster erinnern, das fortan den Blick auf den HobbitGrounds gebieten sollte. Die Seite missachtete in ihrer damaligen Form so ziemlich alle Regeln des Webdesign und ich hasse allein die Erinnerungen an dieses Design noch heute.

Nichtsdestotrotz sind seit damals bis heute, Weihnachten 2003, Unmengen an Anmeldungen in meinen Briefkasten geflogen. Leider hatte ich aufgrund der Tatsache, dass ich nur am Wochenende zu Hause war, nicht die Möglichkeit, sie zu bearbeiten (ein bissl privates Glück wollte ich mir schon noch gönnen…:/ ).
Aber wie bei jeder Sucht, zog mich auch der HobbitGround bald wieder in seinen Bann. Ich habe in den letzten Wochen das Design komplett überarbeitet, sowie nach langer Zeit des Stillstands die Karte Brunnenaus samt aller Grafiken komplett neu erstellt. Es liegt ein riesiger Haufen Arbeit hinter mir und noch ein viel größerer vor mir, befürchte ich.

2006 – Ein Neubeginn!

Der Hype um den Herrn der Ringe ist schon längst abgeklungen. Das hat auch der HobbitGround bitter zu spüren bekommen. Im Laufe der letzten Monate starb das Dorf Bewohner für Bewohner aus. Mitschuld daran war wohl auch, dass von meiner Seite kaum Neuerungen in das Dorf Einzug hielten – und das viele Wünsche der Brunnenauer nicht erfüllt werden konnten.

Auch mein Leben hat sich in der Zwischenzeit sehr stark verändert. Ich bin mittlerweile Fachinformatiker. Zudem habe ich mich in den letzten Jahren sehr auf meine Musik konzentriert, und mit dem Folk-Projekt ENGELSBLUT schon viele Erfolge gefeiert. Der HobbitGround geriet wieder in Vergessenheit…

Ende Juli 2006 wagte ich den Versuch, den HobbitGround wieder aufleben zu lassen. Als erstes stand die Frage offen, ob dieses Dorf überhaupt noch am Leben erhalten werden sollte. Ein unbeugsamer Haufen HobbitGround – Mitglieder war immer noch im Forum aktiv und bestärkte mich bei meinem Vorhaben. Ich setzte mich also daran, die Webseite neu zu strukturieren. Das betraf einerseits die eigentliche Hauptseite, die etwas mehr werden sollte, als nur eine Fassade, die eigentlich nur zum Login in das eigentliche Forum benutzt wurde und natürlich auch das Forum an sich.

Das alte Forum, so schön es auch war, wurde eingestampft. Dafür hatten wir nun ein viel schöneres Exemplar mit wesentlich mehr Möglichkeiten.
Auch das System des HobbitGrounds wurde grundlegend verändert. Es gab nun neue Regelungen zur Einwanderung in das (gründlich geleerte) Dorf und der Schwerpunkt des Forums lag jetzt wieder darin, eine Art Rollenspiel zu betreiben. Auch die Karte von Brunnenau war jetzt nicht nur sinnloses Beiwerk, sondern ein praktisches Mittel, um sich in der Forenwelt des HobbitGrounds zu bewegen!

Auch jetzt, im sechsten Jahr des HobbitGrounds, stehen noch viele Neuerungen an!

Ich freue mich auf unsere Zukunft!